Persönliche Kritik:
Was mir zunächst gut gefällt: Wir haben einen frischen Anfang! Klar, die Ausgangssituation wird quasi von Teil 6 übernommen: Die Dinos (und andere prähistorische Kreaturen) leben mit uns Menschen zusammen. Ansonsten haben wir hier aber einen komplett neuen Cast. Weder die Stars der bisherigen World-Filme Owen Grady und Claire Dearing sind von der Partie, noch die von mir so bewunderten Helden der ersten Stunde, also sprich Dr. Grant, Ellie Sattler und Ian Malcolm. Zugegeben, ich fand es erst ziemlich schade, mochte ich die Figuren, aber für einen frischen Neustart war das glaube ich eine gute Idee.
Der Cast bestätigt dies meiner Meinung nach auch. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, inklusive deren Synchronsprecherinnen und Synchronsprecher machen in meinen Augen zum Großteil einen guten Job. Mehr dazu später.
Die Story nur kurz angerissen. Es geht darum, dass die Dinos sich nicht an unser Klima gewöhnen konnten und wieder fast ganz ausgestorben sind. Nur in bestimmten Gegenden nahe des Äquators sind noch Restbestände zu finden. So auch auf einer bisher nie genannten Insel, wo InGen damals, die Tiere aussetzte, die für den ursprünglichen Park nicht in Frage kamen. Nun hat eine Pharmafirma herausgefunden, dass man mithilfe der DNS von Dinos ein tolles Herzmedikament herstellen und damit, x millionen Menschen ein längeres Leben ermöglichen könnte. So engagiert der Unternehmer Martin Krebs (Rupert Friend - deutsche Stimme Alexander Doering) die Söldner Zora Bennett (Scarlett Johansson - deutsche Stimme Luise Helm) und Duncan Kincaid (Mahershala Ali - deutsche Stimme Matti Klemm), den Paläontologen Henry Loomis (Jonathan Bailey - deutsche Stimme Martin Bonvicini) und ein paar andere Leute (muss ja etwas Futter geben), ihn auf die Insel der Dinos zu begleiten und DNS-Proben der größten Tiere zu Wasser zu Lange und in der Luft zu sammeln, um das Medikament herstellen zu können.
Zugleich macht sich eine Familie auf einen Segelausflug und wird plötzlich durch den Angriff von Spinosauriern und einem Mosasaurus überrascht, schiffbrüchig und von der Expeditionsgruppe aufgesammelt. Durch einen weiteren Angriff getrennt, treffen sie auf der Insel ein und müssen nun einerseits die Proben sammeln und andererseits wieder heil von der Insel kommen...
Tja, was sich etwas ähnlich einer Spielberschreibung eines PlayStation-Abenteuers liest, stellt sich eigentlich als ganz unterhaltsam heraus. Der Film erinnert teilweise an den dritten Jurassic Park. Es ist mehr ein Kampf ums Überleben auf der Insel + etwas mehr Nebenhandlung. Nichts wirklich kreativies, aber wenn es gut gemacht ist, ein cooler Film. Leider, aber gibt es doch einiges an dem Film, was mir negativ auffiel.
Zum einen wirken die Figuren teilweise sehr überzeichnet. Das gilt vor allem für den "Bösewicht" Martin Krebs, teilweise aber auch für den Paläntologen, der eher wie ein Nerd mit Halbwissen rüberkommt. Allein bei der Intelligenz-Theorie hat man den Eindruck, der Film wäre wirklich aus den 90ern oder eher 80ern... Klar, es ging hier eher darum, dass Dinos so lange lebten und wir Menschen erst so kurz und schon so viel zerstören, aber es hatte halt diesen Beigeschmack...
Einige der anderen Figuren sind entweder so langweilig oder widerlich, dass es keine Überraschung ist, dass sie irgendwann im Magen eines Fleischfressers landen.
Die Figuren Zora und Duncan gefallen mir eigentlich ganz gut. Die Chemie stimmt und man merkt die Spielfreude. Nur leider werden den Figuren meist nur eher wenig interessante Zeilen in den Mund gelegt, die teilweise an eines von x deutschen Filmdramen erinnern. Da wären echt bessere und unterhaltsamere Dialoge möglich gewesen.
Die Familie ist auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Von langweilig (Vater) bis anstrengend (ältere Tochter) über grauenhaft nervig (Freund) ist nichts wirklich gutes dabei. Mehr noch: Ich hätte mir echt gewünscht, dass der Freund endlich mal vom nächsten Dino zertrampelt wird.
Die Dinos oder was mir toll gefiel:
Auch wenn diesmal wieder nur CGI zum Einsatz kam: Die Dinos gefielen mir insgesamt wieder total gut! Sei es die Herde "Titanosaurier" (oder Patagotitan?) oder auch die im Vergleich zu Jurassic Park III deutlich veränderten Spinosaurier bis hin zu meinem Liebling, den T.Rex!

Tatsächlich ist wie erwartet seine Szene mit dem Schlauchboot mein Highlight im Film. Es macht einfach so viel Spaß, diesen beeindruckenden Räuber aus der späten Kreidezeit zuzuschauen!
Leider aber gibt es in der Szene auch ein großes Problem: Er darf sich nicht austoben. Den leider stößt ausgerechnet die Famile auf den Rex und wer die Jurassic-Filme kennt, kann sich gleich ausmalen, dass niemand aus der Szene getötet wird. Mehr noch: das Schlauchboot bleibt heil und wird sogar vom Rex nachgeliefert (das gefiel mir wiederum - das hatte irgendwie Komik.

). Somit ist sofort klar, dass in der Szene alle überleben.
Und damit noch zu einem weiteren Problem des Films: Es gibt wieder Hybride. Ich weiß nicht, wie Ihr dazu steht, aber ich finde sie anstrengend. Klar, diese Grundidee ist mal ganz interessant, aber es wurde finde ich in den vorherigen Worldfilmen doch wirklich genug durchgenudelt. Und selbst wenn man sagt, man möchte Abwechslung - Leute: Wie viele Dinoarten wurden bisher entdeckt, die teilweise extrem bizarr aussehen? Also bitte!
So müssen die Raptoren als schneller Snack für einen dämlichen Mix aus Raptor und Pterosaurier herhalten und ein sogenannter D-Rex darf sich am Schluss in Godzilla-Manier durch den Dschungel pflügen. Da wurde meiner Meinung nach nichts gelernt. Jurassic-Park-Feeling? Keine Spur. Leider!
So wird den Dinos vergleichsweise wenig Zeit eingeräumt, sich zu entfalten. Dafür sind deren Szenen auch die Besten. Nach dem Rex können auch die Sauropoden glänzen, die Spinosaurier bekommen auch ein paar spannende Szenen ab und auch der Nichtdinosaurier Quetzalcoatlus hat eine schöne Szene. Aber wie auch bei den Figuren und Dialogen, wäre hier mehr dringewesen.
Wie korrekt die Dinosaurier nach aktuellen Erkenntnissen dargestellt sind ist bei der Filmreihe mittlerweile nicht mehr so Thema. Aber der T.Rex zum Beispiel ist immer noch ziemlich aktuelle (außer dass er vielleicht Lippen hatte, die die Zähne bedeckten), die Spinosaurier sind im Vergleich zum Nichtdino Mosasaurus viel zu klein bzw. der Mosasaurier zu groß (beide waren in etwa bis 18 Meter lang) und der Dilophosaurier hatte wahrscheinlich keinen Kragen. Aber gut, wir kucken ja hier keine Doku und auch Teil 1 hat sich ja einige Freiheiten genommen.
Zum Rest von Film bleibt noch zu sagen, dass es eher wenig Überraschungen gibt. Die Familie zieht den Film dann auch etwas weiter runter und man hat kurz das Gefühl in einer Sitcom zu sein.
Gut gefallen mir die vielen Anspielungen auf die früheren Filme, die Jurassic-Park-Ur-Filmautor David Koepp eingestreut hat. Alleine die "Küchenszene" wäre klasse, wenn sie nicht wieder von den Hybriden in Beschlag genommen worden wären...
Und das Ende - tja das ist dann etwas plump und schnell und erinnert dann auch wieder an den dritten Film.
Fazit:
Ich tu mich echt schwer, den Film einzuordnen. Eigentlich ist wieder so: Dinos toll, Hybride überflüssig, Story ausbaufähig. Zugegeben. Ich brauche bei einem Abenteuerfilm keine große Story. Jurassic Park III hätte z.B. für mich super funktioniert mit der einfachen Story, wenn man sich nicht andere Patzer geleistet hätte und auch hier, wäre eine schöne Abenteuergeschichte für mich völlig ausreichend gewesen.
Der Film macht Spaß und sollte von jedem Fan der Reihe geschaut werden. Die Magie des ersten Teils wird aber nicht annähernd eingefangen. In Teil 1 waren sogar die ruhigen Szenen sehr unterhaltsam, da interessant und mit spannenden Figuren ausgestattet. Hier ist es leider nicht so und es kommt das Gefühl auf, der Film dümple vor sich hin und nimmt dann langsam mal etwas Fahrt auf, lässt dann aber einige Chancen liegen.